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Diözesanrat Bistum Hildesheim Logo

Eine Kirche mit offenen Türen für Fremde, Arme, Mutlose, Trauernde; mit Christinnen und Christen, die sich zu ihnen auf den Weg machen.

 - Rüdiger Wala
Rüdiger Wala, Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB)

Sein Leben ändern

Food-Aktivistim Katarzyna Swendrowski. Foto: Stelzig

Bei Regenwetter schleppen die Teilnehmer das Schöpfungskreuz von Bremerhaven St. Marien zur Herz-Jesu-Kirche in Geestemünde. Foto: privat

Im Gespräch mit Dr. Dirk Preuß erzählt Food-Aktivistin Katarzyna Swendrowski warum sie Lebensmittel aus Tonnen der Märkte rettet. Foto: privat.

Trotz des schlechten Wetters machten sich insgesamt  60 Teilnehmer auf den Weg, um gemeinsam den Kreuzweg der Schöpfung zu gehen. Drei Stationen hatten die Veranstalter – der Diözesanrat, die Katholischen Frauengemeinschaft (kfd), der Kolpingbezirk Nordsee, das Dekanat Bremerhaven, das Referat Weltkirche sowie die Bolivienkommission und der Umweltbeauftragte des Bistums Hildesheim vorbereitet.

Claus-Dieter Paschek, Vorsitzender des Diözesanrates, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass „die Bewahrung der Schöpfung  ein durchgängiges und zentrales Anliegen des Diözesanrates“ ist. Seit dem ersten Kreuzweg der Schöpfung 2010 benenne der Kreuzweg Umweltprobleme, die sich quer durch das Bistum ziehen. „Einlagerung von radioaktivem Material, Hähnchenmast­anlagen, Klimaveränderung, Erdgasförderung durch Fracking, Rohstoffgerechtigkeit. All diese Themen betreffen die Menschen vor Ort und gefährden ihre Lebensgrundlage“, betonte er und zeigte auf das Kreuz. „Wir tragen das bolivianische Schöpfungskreuz mit uns. Sein Längsbalken stammt von einem Urwaldbaum aus dem Osten Boliviens, sein Querbalken war Stützbalken in einer Silbermine im Hochland von Potosi. Dieses Kreuz symbolisiert das Leiden der Schöpfung und der Menschen.“

Nicht alles in der Tonne ist auch Müll

Startpunkt des Kreuzwegs der Schöpfung 2019 war die Kirche St. Marien in Bremerhaven. Hier wurde auch die erste Station gehalten. Thematisch ging es um das oft unnötige Wegwerfen von Nahrungsmitteln. Food-Aktivistin Katarzyna Swendrowski machte im Gespräch mit Dr. Dirk Preuß, dem Umweltbeauftragten des Bistums Hildesheim, deutlich, dass sie dies nicht einfach so hinnimmt. Sie schaut regelmäßig in den Mülltonnnen der Supermärkte nach Lebensmitteln, die nicht mehr verkauft und darum weggeschmissen werden. Contai­nern heißt das. Die junge Frau findet: „Nicht alles, was in der Tonne landet, ist auch Müll.“ Sie will sich nicht damit abfinden, dass genießbare und noch nicht verdorbene Lebensmittel einfach entsorgt werden.

Aus dem, was Swendrowski „aus den Mülltonnen rettet“, kocht sie für sich und ihren Sohn. Dabei hatte sie noch nie eine Lebensmittelvergiftung. Und ihr 8jähriger Sohn findet das völlig normal, dass seine Mutter das Essen aus der Mülltonne holt – und sogar Freunde zum Restefest einlädt.

Katarzyna Swendrowski geht es vor allem darum, einfach anzufangen. Nicht immer nur predigen, dass sich was ändern muss, sondern sie fängt bei sich im Kleinen an. „Sie geht mit gutem Beispiel voran, wirbt für einen sorgsamen Umgang mit Nahrungsmitteln und setzt damit auch ein Zeichen für einen nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen“, findet Dirk Preuß.

Aus dem Kochen für Freunde ist inzwischen ein Restefest aus geretteten Lebensmitteln geworden. Nach und nach wurde es zu einer regelmäßigen Veranstaltung, die die Food-Aktivistin öffentlich in den sozialen Netzwerken bewirbt.

 

Die Brotstücke reichten für alle

Zentrales Thema der zweiten von der kfd gestalteten Station an der Geeste war der Bericht von der Brotvermehrung aus dem Matthäus­evangelium. „Wir wollen aufmerksam machen auf die Verschwendung von Lebensmitteln, während Menschen in anderen Regionen auf der Welt hungern müssen“, betonte kfd-Vorsitzende Susanne Kaiser-Eikmeier. Und in Anlehnung an die biblische Brotvermehrung verteilten die kfd-Frauen Brot an die Teilnehmer des Kreuzwegs. Und die Brotstückchen reichten für alle

An der dritten und letzten Station  in der Herz-Jesu-Kirche in Geestemünde rückten die Frauen des Dekanats Bremerhaven mit einer Meditation das aktuelle Hungertuch der MISEREOR-Fastenaktion in den Mittelpunkt.

Das eigene Handeln hinterfragen

„Für mich bedeutet  gerade der aktuelle Kreuzweg der Schöpfung sehr viel. Dadurch, dass ich an der Vorbereitung von zwei Stationen intensiv teilgenommen habe, habe ich mich mit dem Thema und den Inhalten ganz stark auseinandergesetzt und viele Dinge, die mein eigenes Leben und Handeln betreffen, hinterfragt. Beim Kreuzweg mit anderen ins Gespräch zu kommen, hat noch einmal eine ganz eigene Qualität. Für mich war dies ein intensiver Einstieg in die Fastenzeit“, empfindet Susanne Kaiser-Eikmeier.

Für Dirk Preuß war der Kreuzweg der Schöpfung eine inspirierende Veranstaltung mit der Meditation des Hungertuchs, mit den Impulsen und den Berichten der Food-Aktivistin. „Und durch das Wetter wurde der Weg mit dem schweren Schöpfungskreuz wirklich zu einem Kreuzweg“, betont der Umweltbeauftragte nach der Abschlussandacht.


<em>Von Edmund Deppe/KIZ</em>