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Eine lebendige Kirche vor Ort, die die Fähigkeiten ihrer Mitglieder erkennt und nutzt.

 - Dr. Christian Heimann
Dr. Christian Heimann, Durch Bischof Trelle berufenes Mitglied

Zwischen V wie Virus und W wie Wahlen

Fotos: ZdK - Das neue Präsidium (v.l.) Birgit Mock, Thomas Söding, Irme Stetter-Karp, Claudia Nothelle, Marc Frings und Wolfgang Klose

Sechs Jahre an der Spitze des ZdK: Thomas Sternberg

Der unterlegene Kandidat, Ulrich Hemel, gratuliert der frischgewählten Präsidentin, Irme Stetter-Karp

Immer engagiert dabei: Walter Raasch vom Diözesanpastoralrat Hamburg

Da war das Kind schon in den Brunnen gefallen ... als wir die Räumlichkeiten zur Tagung der Vollversammlung des ZdK betraten und entsetzt feststellen mussten: voll besetzter Raum, kein Abstand, keine adäquate Belüftungsmöglichkeit. Da half auch nicht der Verweis des Präsidiums auf Konformität mit der 2-G-Regelung inklusive täglicher Selbsttests oder die dann beschlossene durchgängige Nutzung von Masken. Ein Geschäftsordnungsantrag, die Tagung unter diesen Umständen zu beenden, blieb zunächst unbeachtet, wurde dann aber mehrheitlich zugunsten einer Fortsetzung beschieden.

So blieb nur unsere persönliche Entscheidung: Gehen oder Bleiben. Wir sind trotz unangemessener Rahmenbedingungen mit mulmigem Gefühl geblieben. Winfried Quecke musste sich bereits im Vorfeld wegen eines Coronafalls in der Familie kurzfristig für eine digitale Teilnahme entscheiden.

 

Bereits am Vorabend der Tagung beim informellen Treffen der Diözesanratsdelegierten wurde die Bedeutung der Wahlen bewusst. Insbesondere die strategische Positionierung der Kandidat:innen für den Hauptausschuss wurde lange diskutiert.  Die insbesondere für die Diözesanräte im Norden bedeutsame Wahl des Hauptausschusses wurde allerdings dann aufgrund von Zeitknappheit auf den 07.12. verschoben.

In seiner Rede zur Situation der Katholischen Kirche in Deutschland schlug der scheidende Präsident Sternberg einen großen Bogen von globalen zu nationalen Themenfeldern (nachzulesen bei ZdK.de). Er dankte vielen Wegbegleiter:innen, darunter namhaften Politiker:innen. Sein besonderer Dank galt auch Gabriele Erpenbeck aus Hannover für ihren langjährigen Einsatz für den islamisch-christlichen Dialog. In der Zusammenarbeit mit Kardinal Marx und Bischof Bätzing sei Beruhigung in einigen Themenfeldern wie Donum Vitae eingetreten. Der im Januar anstehende Umzug nach Berlin sei erforderlich und berücksichtige auch den Generationenwechsel im ZdK. Seinen Dank weitete Präsident Sternberg auf den ehemaligen Generalsekretär des ZdK Vesper und den aktuellen Generalsekretär Marc Frings aus. Insbesondere Marc Frings habe es mit seinem Einstand aufgrund der Pandemie nicht einfach gehabt.

 

Die sich anschließenden geheimen Wahlen wurden digital durchgeführt. Zuvor konnten die kandidierenden Herr Prof. Hemel und Frau Dr. Stetter-Karp ihre Vorstellungen der Ausgestaltung des Präsident:innenamtes ins Plenum tragen. Mit einer deutlichen Dreiviertelmehrheit wurde Frau Dr. Irme Stetter-Karp zur neuen Präsidentin gewählt, die mit Begeisterung über ihre große Zustimmung mit einem Dank an ihre Wähler:innen verband. Stetter-Karp überzeugte insbesondere mit ihrer Haltung, für mehr Authentizität und Lösungsorientierung bei gesellschaftspolitischen Herausforderungen beitragen zu wollen. "Ich will es wirklich mit Leidenschaft machen!", so ihr Bekenntnis zum Auftakt ihrer Präsidentschaft. Nachfolgend wurden dann die Vizepräsident:innen Birgit Mock, Claudia Nothelle, Thomas Söding und Wolfgang Klose gewählt. Birgit Mock dürfte vielen Diözesanratsmitgliedern bekannt sein, da sie als Referentin auf unserem Neujahrsempfang in Wolfenbüttel sehr beeindruckte, Wolfgang Klose ist dem Diözesanrat Hildesheim schon seit Langem verbunden. In weiteren digitalen Wahlverfahren, die den ein oder anderen Teilnehmer stark forderten, wurden die Sachausschüsse gewählt. In einem bewegenden Festakt am Abend wurde Präsident Sternberg sowie drei seiner Vizepräsident:innen mit illustrem Rückblick und großem Dank verabschiedet.

 

Die Schwedische Erzbischöfin Antje Jackelèn war am Folgetag digital zugeschaltet. Sie gab in ihrem Referat dem ZdK " in digitaler Gemeinschaft in hybrider Begegnung" wesentliche Impulse für den Synodalen Weg. Kurz erläuterte sie uns die Verfasstheit der schwedischen Kirche mit ihren episkopalen und synodalen Linien und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die in der schwedischen Kirche bereits seit zwanzig Jahren verankerten Mechanismen bei Vorfällen sexualisierter Gewalt in kirchlichen Kontexten.

 

Die frühen Christen seien immer mehr "Weg" als "Zustand" gewesen. Leider habe sich dieses im Laufe der Jahrhunderte ins Gegenteil verkehrt. Die Handlungsweise der Kirche sei wenig vertrauenserweckend, Menschen treten aus der Kirche aus, da sie die Hoffnung auf Veränderung verloren haben. So forderte sie uns auf, wieder "Volk des Weges" zu werden und dabei niemanden zurück zu lassen. "Zorn und Frustration gegenüber Ungerechtigkeiten" seien da ebenso gute Antreiber wie "Demut und Realismus" und "Mut statt Angst".  "Kurs halten, Niveau und Ausdauer zeigen, dabei gut theologisch argumentieren können" - so ihre Gelingensbedingungen für den Erfolg des ZdK auf dem Synodalen Weg. Dieser herausragende Vortrag war sicherlich das Highlight der Vollversammlung - und entschädigte für so manche Längen und Unstimmigkeiten.

Autorin: Miriam Albers

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