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Kirche 2030 schätzt Traditionen, ohne Angst vor Veränderungen. Strukturen sind gut, solange sie nicht hindern.

 - Christiane Hülsbusch
Christiane Hülsbusch, durch Bischof Heiner berufenes Mitglied

Die Vergangenheit ist kein guter Ratgeber, wenn es um die Gleichstellung geht

Hildesheim - Dass man als Katholikin in Gesprächen manchmal in eine Rechtfertigungshaltung gedrängt wird, hat Sabrina Stelzig schon während ihres Theologie-Studiums erfahren. Man könnte wegen aller berechtigten Kritik an der Ungleichbehandlung von Frauen der katholischen Kirche den Rücken kehren – oder man engagiert sich wie Stelzig, um etwas zu bewegen.

Bei der Aktion „Maria 2.0“ streiken in einigen deutschen Bistümern in diesen Tagen ehrenamtlich engagierte Frauen und lassen ihre Dienste ruhen. Ist das im Bistum Hildesheim auch ein Thema? -
Leider kaum. Es gibt vielleicht einzelne Frauen, die das inhaltlich unterstützen, aber keine organisierte Beteiligung in größerem Stil.

In einem offenen Brief an Papst Franziskus fordern die Teilnehmerinnen unter anderem „Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche und Aufhebung des Pflichtzölibats“. Können Sie sich diesen Forderungen anschließen? -
Auf jeden Fall, ich finde die Aktion gut. Die Initiatorinnen streiken ja nicht einfach so, weil sie beleidigt sind. Sie wollen, dass alle sehen, was Frauen alles in der katholischen Kirche leisten, ohne, dass sie gleichberechtigt wären. Und das merken manche vielleicht erst, wenn die Frauen mal nicht da sind und zum Beispiel nicht im Gottesdienst helfen. In Münster, von wo die Aktion ausgeht, sind übrigens ein Drittel der Beteiligten Männer. Die heißen sicher nicht alle Maria mit zweitem Vornamen, sondern sie unterstützen das Anliegen inhaltlich.

Es gibt auch im Bistum Hildesheim die Stelle einer Gleichstellungsbeauftragten. Dazu fällt einem angesichts der Strukturen in der katholischen Kirche sofort die Bezeichnung „Mission Impossible“ ein. Wie sehen Sie das? -
Man muss das trennen. Die Gleichstellungsbeauftragte beschäftigt sich ja nicht nur mit Frauenrechten, sondern allgemein mit der Gleichbehandlung aller Beschäftigten, und das im Verwaltungsbereich, nicht im geistlichen. Aber auch in der Behörde gibt es durchaus Handlungsbedarf, da legt die Gleichstellungsbeauftragte auch den Finger in die Wunde. Denn der Anteil von Frauen in der Leitungsebene der Bistumsleitung ist durchaus ausbaufähig. Aus der halben Stelle der Gleichstellungsbeauftragten eine ganze zu machen, das wäre auch so ein Zeichen, dass ein Bischof setzen könnte.

Haben Sie denn den Eindruck, dass Bischof Heiner Wilmer bei dem Thema etwas verändern will? -
Er hat zumindest die Einrichtung einer internen Arbeitsgruppe zur Gleichstellung angeschoben. Wir müssen mal schauen, was dabei herauskommt.

Kommen wir zum geistlichen Dienst: Die Mühlen in der katholischen Kirche mahlen sehr langsam – Papst Franziskus hat jetzt angekündigt, dass es keine schnelle Entscheidung zur Einführung eines Frauendiakonats in der katholischen Kirche geben wird. Glauben Sie, Sie werden die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche noch erleben? -
Ich bin nach wie vor optimistisch. Ich sag’s mal so: Anfang 1989 hat auch nicht jeder wirklich geglaubt, dass die Mauer fallen wird. Man muss aber heute natürlich leider in der Tat sagen: Die katholische Kirche ist eine der letzten Institutionen, in der man nicht gleichberechtigt sein kann, weil eben gar nicht alle Ämter für uns offen stehen. Allein der offizielle Ansatz in der Diakoninnendebatte ist doch schon falsch. Da forscht eine vatikanische Kommission nach, ob es denn schon mal Diakoninnen gab – dabei sollte das doch irrelevant für die heutige Entscheidung sein. Die Einführung des Diakonats für Frauen sollte beschlossen werden, ohne nach historischen Gründen zu suchen, die dagegen sprechen könnten. Die Vergangenheit ist kein guter Ratgeber, wenn es um die Gleichberechtigung geht.

Haben Sie schon mal überlegt, wegen der Ungleichbehandlung aus der katholischen Kirche auszutreten? -
Ich habe mich in Gremiensitzungen und bei der Betrachtung des Apparats der katholischen Kirche schon oft gefragt: Ob Jesus sich das alles wohl so vorgestellt hat? Aber die Ungleichbehandlung innerhalb der Kirche ist durch Jahrhunderte alte Strukturen bedingt und ich weiß, dass es viel Zeit brauchen wird, diese zu verändern. Also nein, ich habe noch nicht ernsthaft an einen Kirchenaustritt gedacht. Ich versuche lieber, einen kleinen Teil dazu beizutragen, die katholische Kirche von innen heraus zu verändern und zu gestalten.

Interview: Jan Fuhrhop

Erschienen am 13. Mai 2019 in der Hildesheimer Allgemeinen.