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Diözesanrat Bistum Hildesheim Logo

Eine Kirche, in der die Menschen verantwortlich handeln und einander wertschätzen, weil jede und jeder Einzelne ein Ebenbild Gottes ist.

 - Monika von Palubicki
Monika von Palubicki, Vertreterin der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Diözesanverband Hildesheim.

50 Jahre Diözesanrat der Katholiken im Bistum Hildesheim

@ R.Wala

„Sie hier in Hildesheim sind die ersten“, sagt Professor Dr. Thomas Sternberg. Der 65-Jährige ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).  Zwar werden noch mehrere Diözesan- oder Katholikenräte in den deutschen Bistümern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiern. Doch unbestritten bleibt: Im Bistum Hildesheim wurde der erste Rat der Laien, des Volkes Gottes, gegründet.

„Volk Gottes“ – diese Bezeichnung für die getauften Christinnen und Christen zieht sich durch den traditionellen Neujahrsempfang des Diözesanrates, der natürlich im Zeichen des Jubiläums steht. „Gott ruft sein Volk zusammen“ – schon das erste Lied, das in der heiligen Messe zum Auftakt des Empfangs gesungen wird, macht das deutlich. 

Gefeiert wird der Gottesdienst von Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger. Der Diözesanadminstrator greift in seiner Predigt die Bedeutung des Gottesvolks auf. Zum einen launisch: „In der Kirche von England heißt es, not the shepherd makes sheeps, sheeps make sheeps“ – nicht der Hirte bringt Schafe hervor, Schafe bringen Schafe hervor.  

Für eine „Kirche der Beteiligung“

Zum anderen theologisch und kirchenrechtlich: „Die Kirche der Beteiligung, wie wir sie heute nennen, ist im Zweiten Vatikanischen Konzil grundgelegt“, betont Schwerdtfeger. Die Kirche kenne nur die fundamentale Gleichheit aller Getauften – und damit sowohl der Laien als auch der geweihten Priester und Diakone. Auf dieser Grundlage der Gleichheit – oder in den Worten des Konzils der Teilhabe am dreifachen Amt Christi, der Priester, Prophet und König ist – steht der Diözesanrat: „Wir tragen gemeinsam Verantwortung für die Lebendigkeit unseres Glaubens in der heutigen Zeit“, stellt Schwerdtfeger heraus.

Dieses gemeinsame Zeugnis greift ZdK-Präsident Sternberg in seiner Ansprache beim Empfang auf. Er erinnert an das Jahr 1968 – nicht nur für Diözesanräte eine Aufbruchsjahr, sondern für die ganze westdeutsche Gesellschaft.  Beim 82. Katholikentag in Essen im September 1968 kommt es zu Prostesten gegen die Enzyklika „Humane Vitae“ vom Papst Paul VI., die die künstliche Empfängnisverhütung für Katholiken untersagt. „Hier äußert sich zum ersten mal das Volk Gottes und sagt: Das machen wir nicht mit“, erinnert Sternberg. Das war neu – und hat die Kirche verändert.

Unter anderem dieser Konflikt bringt die „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“ (1971 bis 1975 in Würzburg) zur Durchsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils hervor. „Hier wird verdeutlicht, was die Väter des Konzils gemeint haben, als sie vom apostolischen Wirken des Gottesvolkes gesprochen haben“, unterstreicht Sternberg: „Alle Getauften haben Anteil an der Sendung der Kirche – nicht weil es ihnen erlaubt wird, sondern weil sie Kirche sind.“ Genau das haben die Konzilsväter im November 1965 im Dokument „Apostolicam actuositatem“, dem Dekret über das Laienapostolat beschlossen – mit 2305 Jastimmen und 2 Neinstimmen. Sternberg ruft zu mehr Synodalität in der Kirche auf, zu mehr gemeinsamen verantwortlichen Wirken von Geweihten und Laien.

Wie das in Gemeinden und Kirchorten gehen kann, zeigt Ordinariatsrätin Dr. Friederike Maier. Sie leitet den Fachbereich Pastoral in Kirche und Gesellschaft im Bistum Magdeburg. Auch dort geht die Zahl der Hauptamtlichen wie die Zahl der Gläubigen zurück – bei ohnehin nur 3,5 Prozent Katholiken in der Gesellschaft (und zwölf Prozent Protestanten). 

Zwei der 44 Pfarreien werden jetzt von Teams aus Laien geleitet. Ein Priester hat dabei eine geistlich-moderierende Aufgabe: „Die Sorge um die Seelsorge, die Verwaltung der Pfarrei liegt somit komplett in den Händen von Laien.“ Übrigens mit einer erstaunlichen Nebenwirkung: Bei den Gremienwahlen 2016 gab es in diesem Pfarreien deutlich mehr Kandidaten als Wahlämter. 

Dieses Modell soll bis zum Jahr 2026 flächendeckend im Bistum Magdeburg umgesetzt werden: „Wir machen gewissermaßen Platz für eine Communio, für eine Gemeinschaft, die neue Formen des Glaubens möglich macht.“

„Demokratie in der Kirche ist nicht leicht“

Werner Freiberg, der erste Vorsitzende des Diözesanrates, erinnert sich vor den gut 200 Gästen an die schwierigen Anfänge: „Demokratie in der Kirche, Mitreden zu dürfen – das war nicht leicht durchzusetzen“ (KiZ Nr. 1 vom 7. Januar). Er ist froh, dass diese Zeiten überwunden sind.

Der aktuelle Vorsitzende, Claus-Dieter Paschek, setzt darauf, dass es im Bistum Hildesheim zu mehr Synodalität, zum mehr gemeinsamer Verantwortung kommen wird. Das werde sich auch bei den kommenden Gremienwahlen im November diesen Jahres zeigen: „Das Gesicht unserer Kirche wird sich weiter verändern – zum Guten.“

Von Rüdiger Wala/KIZH