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Kirche 2030 ist eine lebendige Kirche vor Ort, die sich im Aufbruch befindet und der es gelingt, die unterschiedlichen Fähigkeiten ihrer Mitglieder zu erkennen und zu nutzen. Sie ist eingebunden in der Gesellschaft und wird von dieser als Bereicherung wahrgenommen.

 - Dr. Christian Heimann
Dr. Christian Heimann, Durch Bischof Trelle berufenes Mitglied

Initiative "Pro Pope Francis"

Bild @ pixabay.de

Paul Zulehner ist Mitinitiator der Initiative "Pro Pope Francis". Katholisch.de hat mit ihm über fehlende Unterstützung aus dem Vatikan und die - bisher - schweigende Mehrheit des Kirchenvolks gesprochen.

Mit einer "Kindlichen Zurechtweisung" haben konservative Katholiken jüngst den Papst kritisiert. Jetzt reagieren Bischöfe, Theologen, Politiker und andere Prominente. Sie verteidigen Franziskus in einem offenen Brief, der auf der Website www.pro-pope-francis.com zugänglich ist und von jedem unterzeichnet werden kann. In dem Schreiben wird der Papst gebeten, nicht von seinem bisherigen Kurs abzuweichen und ihm Unterstützung zugesichert. Mitinitiator ist der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner. Im katholisch.de-Interview spricht er über die Entstehung der Initiative, über den richtigen Umgang mit den Papstkritikern und die vielen Menschen, die sich beteiligen.

Frage: Die Zusammensetzung der Unterzeichner ist bunt gemischt. Wie ist diese Gruppe entstanden? Gehen Sie gezielt auf die Menschen, auch auf Bischöfe und Kardinäle zu?

Zulehner: Es war Tomas Halik, der die Idee zur Initiative hatte und mich gewonnen hat, das mit ihm zusammen auf den Weg zu bringen. Und er hat ein riesiges Netzwerk gerade auch in den angelsächsischen Bereich hinein, wo er prominente Leute gewonnen hat und noch gewinnen wird. Ich mache das verstärkt in Europa, aber auch in Asien wie Taiwan. Wir haben weltweit wirklich gute Kontakte und suchen die Unterzeichner handverlesen, während sich die Unterstützer direkt über die Homepage eintragen können.

Frage: Handverlesen heißt, Sie haben vorab Listen von potenziellen Unterzeichnern erstellt?

Zulehner: Jawohl, und wir schreiben die gewünschten Personen an. Dann ist es wie ein Schneeballsystem, da wir die Leute bitten, für unsere Initiative in ihrem Kreis weiter zu werben.

Frage: Wen wollen Sie denn noch gewinnen?

Zulehner: Beispielsweise versuchen wir auch unter den Orden Leute zu gewinnen und haben auch bereits Generaloberinnen und Provinzoberinnen dabei. Wir wollen eben nicht nur Kardinäle und Bischöfe haben. Die sind willkommen, aber im Grunde genommen ist es eine Aktion des nachdenklichen und engagierten Gottesvolkes – das gilt für die Unterzeichner wie die Unterstützer. Es soll die ganze Bandbreite der Kirche abgedeckt werden, wobei wir die Prominenten aus Theologie und Politik schon ausdrücklich sichtbar machen möchten und sie deshalb auflisten. Auch unter den deutschen Bischöfen möchten wir übrigens noch Unterzeichner gewinnen.

Frage: Was ist Ihr Ziel? Wie viele Unterstützer sollen es werden?

Zulehner: Ich weiß nicht, was dabei rauskommen wird. Ich staune zurzeit eher, wie schnell das jetzt geht. Dass in wenigen Tagen sozusagen so viel Feuer aufgeflammt ist. Das heißt: Der Boden war schon sehr trocken und bereit zu brennen. Wie viele es dann am Ende sein werden, ist wahrscheinlich im Detail gar nicht so wichtig. Wir werden in jedem Fall unglaublich viele Unterstützer kriegen. Wenn es so weitergeht, rechne ich mit über 10.000 Menschen. Und das kann man dann medial nicht übersehen. "Radio Vatikan" hat schon darüber berichtet. Es ist also auch in Rom schon längst angekommen, was wir da machen.

Frage: Was machen Sie am Ende der Initiative mit den ganzen Stimmen?

Zulehner: Wir wollen am Schluss dem Papst selbst diesen Brief zusenden, in dem alle Unterzeichner und Unterstützer aufgelistet sind. Und ich denke, dass das seiner durchaus nicht immer leichten Amtsführung Rückenwind geben wird. Der Vatikanjournalist Marco Politi sagt, der Papst habe zu wenig Unterstützung im Vatikan. Also bekommt er sie jetzt von außen, von uns.

Quelle: Tobias Glenz @ katholisch.de