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...eine geschwisterliche Kirche deren Fundament das Wort Gottes ist.

 - Wolfgang Näsemann
Wolfgang Näsemann, Vertreter des Dekanatspastoralrates Untereichsfeld

"Es ist gut, den Morgen immer mit einem Kuss zu beginnen“

@ Bistum Osnabrück

@ R.Wala

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Weit mehr als Eheberatung durch den Papst

Die Liebe im Mittelpunkt einer Vollversammlung des Diözesanrates der Katholikenim Bistum Hildesheim? Es braucht schon ein päpstliches Lehrschreiben, das so etwas möglich macht: „Amoris Laetitia“ – über die „Freude der Liebe“.

„Es ist gut, den Morgen immer mit einem Kuss zu beginnen“: Für Dr. Martina Kreid­ler-Kos, zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge im Bistum Osnabrück, ist das ein ausgezeichneter Ratschlag. Vor allem, weil er aus einer doch überraschenden Quelle kommt: aus einem Lehrschreiben von Papst Franziskus – „Amoris Laetitia“. In der von der deutschen Bischofskonferenz verbreiteten Broschüre ist dieser Satz auf Seite 161 zu finden.

Einen Tag hat sich der Diözesanrat der Katholiken Zeit genommen, die Tragweite des im März des letzten Jahres veröffentlichten Lehrschreibens zu erschließen – gemeinsam mit Martina Kreidler-Kos. Für die Theologin und vierfache Mutter ist bereits der erste Satz des Lehrschreibens Programm: „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche.“ Das sei nichts Geringeres als eine völlig neue Wertschätzung von Familien. Martina Kreidler-Kos verweist auf Erzbischof Louis Antonio Tagle, den Sondersekretär der Familiensynode, die dem Lehrschreiben vorangegangen ist: „Die Familien sind nicht dazu da, der Kirche zu gefallen. Sondern die Kirche ist für die Familien da“, habe der Erzbischof von Manila erklärt. Diese Selbstkritik in Sachen Lehre und Verkündigung ist nach den Worten von Kreidler-Kos die zweite neue und grundlegend andere Sicht, die von „Amoris Laetitia“ ausgehe: „Das Ergebnis der Überlegungen der Synode ist nicht ein Stereotyp der Idealfamilie, sondern eine herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten, voller Freude, Dramen und Träumen“, schreibt der Papst – „und das zeigt doch, wie nah Papst Franziskus am Alltag von Familien dran ist“, meint Kreidler-Kos. Nicht zuletzt, was die Dramen betrifft – jenseits vom vermeintlichen Idyll.

„Das Gewissen der Gläubigen wird gewürdigt“

Ein würdigender Blick auf die Lebenswirklichkeit und Leistungen von Familien, ein positives Menschenbild, das die Rolle des Gewissens betont, sind zwei weitere neue Aspekte, die durch „Amoris Laetitia“ herausgestellt werden. Der Papst schreibe davon, wie schwer sich die Kirche damit tue, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben. Wie sich Gläubige bemühen, trotz schwerer Situationen dem Evangelium zu entsprechen, und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen entwickeln. Oder dass die Kirche berufen ist, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen. „Das sind tief berührende Worte, die das Gewissen der  Gläubigen würdigen, ihr Ringen darum ihren Lebensweg und das Evangelium miteinander zu vereinen – das hat es bisher noch nicht in dieser Deutlichkeit gegeben“, sagt Martina Kreidler-Kos. Ebenso wenig päpstliche Worte, die die leidenschaftliche Liebe als Geschenk Gottes betrachten, das die Begegnung der Eheleute verschönt. Auch diese Dimension erschließe „Amoris Laetitia“.

Generell gelte für das Lehrschreiben: „Es muss noch viel bekannter werden.“ Deshalb hat die Ehe- und Familienseelsorge des Bistums Osnabrück vier Postkarten mit markanten Zitaten aus „Amoris Laetitia“ aufgelegt (Bestelladresse siehe Kasten) – darunter auch jenen Satz mit dem Kuss an jedem Morgen: „Wann hat schon mal ein Papst so praktische  Beziehungsratschläge erteilt?“, fragt Martina Kreidler-Kos.

Trotz dieser veränderten Blickwinkel bleiben skeptische Reaktionen aus dem Diözesanrat nicht aus. „Kommt diese Schrift nicht Jahrzehnte zu spät?“, war eine der Nachfragen. „Beschreibt sie nicht nur, was ohnehin längst Wirklichkeit in den Gemeinden ist?“, eine andere. Und: „Was bedeutet die Schrift für die Ehe- und Familienpastoral?“
Zumindest auf die letzte Frage hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Antwort gegeben – als eine der wenigen Bischofskonferenzen in Europa. Ehevorbereitung und -begleitung sollen ge­stärkt,  Familien als „Lernorte des Glaubens“ unterstützt werden. Viertes Vorhaben: Ein pastoral sensibleres Verhalten gegenüber zerbrechenden Ehen. Für die Mitglieder des Diözesanrates zumindest ein Anfang – doch zahlreiche Schritte der Umsetzung dessen, was Papst Franziskus  mit „Amoris Laetitia anzustoßen versucht hat, müssten noch unternommen werden. Auch als Sache der Laien.

Neben den Impulsen und Austausch, war Bischof Norbert zu Gast.

„Die Freude der Liebe“
Das Lehrschreiben vom Papst Franziskus über die Liebe in der Familie kann über die Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz (www.dbk.de) heruntergeladen werden. Bestellbar ist es bei Butzon & Bercker, Hoogeweg 100, 47623 Kevelaer, Telefon: 02832 / 92 92 95.
Die vier Postkarten zu „Amoris Laetitia“ aus dem Bistum Osnabrück sind im dortigen Seelsorgeamt erhältlich – wahlweise unter Telefon: 05 41 / 31 82 51 oder E-Mail: a.engelmann@bistum-os.de (25 Stück kostenfrei)

Quelle: Kirchenzeitung, Rüdiger Wala