Gelassenheit vor der Wahl

Generalvikariatsrat Christian Hennecke ist nach Hannover gereist. Er besucht die Pfarrgemeinde Heilig Geist im Stadtteil Bothfeld und diskutiert im Vorfeld der im Herbst stattfindenden Gremienwahlen mit dem Pastoralrat die Zukunft der Laiengremien. 

Dem Wahltermin sieht der Pastoralrat der Pfarrgemeinde Heilig Geist grundsätzlich gelassen entgegen. Doch um sich bestmöglich für die Gremienarbeit aufzustellen und Fragen von Gemeindemitgliedern gut informiert begegnen zu können, hat der Pastoralrat für diesen Abend Generalvikariatsrat Christian Hennecke eingeladen. Schon seit Frühjahr 2025 ist er im Bistum unterwegs, um in den Gemeindegremien über die Zukunft demokratischer Repräsentanz ins Gespräch zu kommen – meist zusammen mit Christian Heimann, dem Vorsitzenden des Diözesanrates, der diesmal allerdings verhindert ist. 

Es geht immer um die Frage: „Wie gestalten wir kirchliches Leben?“ Aber jeder Abend verlaufe unterschiedlich, sagt Hennecke: „Es gibt keine Antwort, die für alle gilt.“ Anders als viele andere Pfarrgemeinden im Bistum Hildesheim befürchtet die Gemeinde Heilig Geist keinen Mangel an Kandidaten und Kandidatinnen für die Gremienwahl am 7. und 8. November. Viele, die in dieser Wahlperiode dabei sind, wollen sich weiterhin engagieren. Neue Mitglieder ließen sich am besten durch persönliche Ansprache gewinnen, meint Ratsmitglied Ferdinand Hansen, er sei dabei jeden falls schon erfolgreich gewesen. Kirsten Heiduk-Hoffmann erzählt, dass sie schon aktiv von Menschen angesprochen wurde, die Lust haben, die Veränderungsprozesse in der Kirche zu begleiten. 

Miteinander reden und viele einbinden

Zum Einstieg in das Thema hat Hennecke die Versammlung auf die Beine und in Bewegung gebracht: Je nach ihrer Zustimmung für bestimmte Thesen verteilen sich die Teil nehmenden an Punkten im Raum. Bei der Frage nach der Gelassenheit sammeln sich alle am entspannten Ende der Skala. 

Nur Pfarrer Matthias Kaleth hat Sorge, dass diejenigen, die sich schon jetzt sehr engagieren, zusätzlich belastet werden. Es komme darauf an, miteinander zu reden und viele einzubinden, meint Dunja Martin. Die Zusammenarbeit der Mitglieder gelinge zurzeit gut, findet Josephine Just. Ihr gefällt, dass es dabei keine Hierarchien gibt, und sich die Ehrenamtlichen Aufgaben aussuchen können, die ihren Neigungen entsprechen. 

Bei anderen Thesen zeigt sich dagegen, dass durchaus noch Fragen offen sind. Vieles läuft sehr gut, finden die Mitglieder, doch manches könnte auch besser laufen. So will der Pastoralrat zwar die Interessen aller gesellschaftlichen Gruppen der Gemeinde im Blick haben – die Heranwachsenden, die jungen Familien, die Eingewanderten sind aber kaum persönlich vertreten. Auch sehen die Ehrenamtlichen im Gremium die Bereitschaft, neue Wege zu versuchen – aber wird die Gemeinde mitgehen? 

Ein Knackpunkt ist die Frage, wie sich Aufgaben und Entscheidungen auf die Gremien verteilen, und ob sich das künftig ändern soll. Die einen bedauern, dass über zu vielen Verwaltungsaufgaben im Pastoralrat die inhaltliche Diskussion, das Spirituelle und Mitmenschliche und die Entwicklung einer Zukunftsvision auf der Strecke blieben. Andere sehen diese Themen in den Teams gemeinsamer Verantwortung gut aufgehoben. 

Die Pfarrgemeinde umfasst die drei Kirchorte Heilig Geist, Heilig Kreuz und St. Franziskus in Stadtteilen mit sehr unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur – wieviel Sinn hat es da, gemeinsame Linien für alle vorzugeben? Wo ist Vielfalt besser als Einheitlichkeit? Die aufgeworfenen Themen und die Diskus sion in der großen Runde geben Hinweise, wo es hakt, wo noch grundsätzliche Fragen offen sind und Gespräche fortgesetzt werden sollten: Damit die Gelassenheit auch in den künftigen Gremien erhalten bleibt.  

Wiebke Barth